Artikel von Spiegel online am 21. Jan 2001,
(die sich auf Winterdream beziehende Absätze sind kursiv hervorgehoben)


Der andere Winter

Finnland gilt als Paradies für Ski-Langläufer. Levi in Lappland macht Schluss mit dem Klischee. Der größte Wintersportort des Landes zeigt, was der Winter 170 Kilometer nördlich vom Polarkreis noch zu bieten hat.


Zwei Spuren im Schnee, sauber gezogen, schön parallel. Geschwind, locker und leicht sausen Langläufer durch die tief verschneite Taiga, entschwinden am Horizont. Ihre Loipe führt hin zum Levi-Fjäll, einer 531 Meter hohen Kuppe unter meterdickem Schnee. 230 Kilometer maschinell gespurte Loipen überziehen den bekanntesten der sieben Fjällberge und den nahen Immelsjärv-See, verlaufen über offene Hochebenen, gefrorene Sümpfe, mäandrierende Flüsse, dichte Fichtenwälder.

Die Loipen sind so angelegt, dass sie zu Rundwegen unterschiedlichster Länge kombiniert werden können. Ein Loipennetz von mehr als 1000 Kilometer entsteht durch Anbindung an die Wintersportzentren Äkäslompolo, Muonio und Hetta.

Wenn morgens um acht noch die Nacht das Land in Dunkel hüllt, weisen Scheinwerfer den Weg. Ab zehn Uhr zeigt sich die Sonne für fünf, sechs Stunden - mal als diesige Scheibe im schneeschwangren Himmel, dann wieder strahlend hell. In der trockenen Kälte von minus 19 Grad wird die "Blaue Stunde" zum Farbenrausch.

"Kamoos" nennen die Finnen die einzigartige Mischung aus Dunkelheit und Zwielicht, die gegen drei Uhr nachmittags das Land zum Leuchten bringt: erst Golden, dann Pink, Türkis, bis zwei schmale Streifen in Orange und Grün das dunkle Land vom schwarzblauen Himmel trennen. Nördlich des Polarkreises wird die Dämmerung zum stundenlangen Spektakel.

Ab fünf Uhr abends leuchten Sterne am Firmament, Flutlicht auf die Loipen. Unter Wegweisern liegen Rucksäcke, Anoraks, Beutel und Taschen: Was stört, wird an zentralen Punkten deponiert - und später wieder abgeholt. Selbst Skiausrüstungen, die rasch mehrere Tausend Mark kosten, stecken im Schnee. Angst vor Diebstahl kennt hier niemand.

An der Talstation des Levi-Fjälls werden Ski und Stöcke gewechselt. Abfahrtsläufer wie Snowboarder tummeln sich auf 45 Pisten. Zum Gipfel saust die einzige Gondel Finnlands, eingeweiht in der Millenniumsnacht. Hinab führt eine schwarze Piste, deren Gefälle die kanadischen Rockies erblassen lässt: steile 52 Prozent weist die Abfahrt auf, auf der 2003 ein Weltcup-Rennen ausgetragen wird. Wartezeiten an den 19 Liften sind unbekannt. Schneekanonen garantieren eine lange Saison bis weit in den Mai.

Mit Schneeschuhen oder zu Fuß erschließen Wanderwege die Stille der Winterlandschaft - mit überraschenden Begegnungen. Schneehühner, so hell, dass nur ihr schwarzer Schnabel sie im weiten Weiß verrät, kreuzen den Weg. Plötzlich kommen zehn, zwölf Rentiere aus dem Unterholz. 300.000 Tiere ziehen in Lappland umher. Brandmale im Ohr verraten die Eigentümer. Eine von ihnen ist Alli Kotakorva-Ohenoja. Seit 14 Jahren ist ihr Elternhaus in Thorasieppi ein Museum.

Alte Fotos zieren die Wände, farbig bemalte Bauernmöbel schmücken die Räume, am Kamin hängt Hausgerät. Bei der Führung mischen sich Erinnerungen in die Erzählung: "Hier, dieses Heu hat mein Großvater sich statt Socken stets in den Schuh gesteckt...." Dann wirft die Frau in alter Tracht einige Dias an die Wand, lässt den Arbeitsalltag einer Rentierzüchterin im Jahreslauf Revue passieren. Nacht ihrer Herde gefragt, lacht sie nur: "Sie würden mir doch auch nicht die Höhe Ihres Bankkontos verraten..."

1000 Tiere sichern ein gutes Auskommen, bei 300 bis 500 Tieren ist ein Zuverdienst lebensnotwendig. So vermarktet die Witwe ihr Erbe, lädt Gäste zur Schlittentouren mit Rentieren und serviert in einem zeltartigen Blockhaus, einem traditionellen Lappen-Koti nachempfunden, landestypische Hausmannskost: Rentiergeschnetzeltes, Rentierfilet und am Feuer geräucherter Lohi, Lachs. Paivikki Palosaari, Wirtin des Hotels Hullu Porro in Levi, hat die schönsten Rezepte von Feuer und Fjäll in einem Buch versammelt - lauter Delikatessen aus Großmutters Küche. Beim Blättern im Büchlein macht Kaffee die Runde, serviert in handgeschnitzten Tassen mit Doppellöchern für die Finger. Das Harz des Kelo-Holzes verleiht dem Getränk einen eigentümlich bitteren Geschmack.

Dicke Rentierfelle schützen bei der Hundeschlittenfahrt vor der beißenden Kälte. Vier oder sechs Huskies ziehen das Gespann, nicht langsam, aber langsam genug, um die grandiose Natur ringsum in allen Nuancen wahrzunehmen. Reija Jääskelainen brachte als erster die arktischen Schlittenhunde aus Alaska nach Finnland. Seit elf Jahren können auch Gäste den Musher auf seinen Touren begleiten.

Wer schneller unterwegs sein möchte, erhält von Lauri Temmes Sturzhelm, Handschuhe und einen mollig warmen Thermoanzug. Die Motorschlittensafari durch die einsamen Weiten Lapplands gehört zum Komplettpaket von Winterdream Oy, einem deutsch-finnischen Joint-Venture, das mit zwei Ferienhäusern an einem See beweist, dass Hüttenurlaub nicht immer rustikalen Landhausstil bedeuten muss, sondern auch: Design vom Feinsten. Im Specksteinkamin lodern die Flammen, der runde Esstisch ist zum Welcome-Dinner festlich gedeckt. Im Weinregal ruhen edle Tropfen aus Frankreich und Italien.

Auch hier stehen Langlaufski im Schuppen. Die Loipe beginnt gleich hinter dem Haus. Acht einsame Kilometer, ganz privat, reserviert für die Gäste. Mal in der Ebene, dann wieder leicht bergauf, bergab. Der ganze Bewegungsapparat kommt dabei in Gang. Trotz aller Leichtigkeit der Bewegung vollbringt der Körper Höchstleistungen: Das Herz pumpt, die Haut pulsiert. Tief füllt die Kälte der Luft die Lunge. Muskeln, von deren Existenz man nie etwas geahnt hat, machen sich bemerkbar.

Das beste Mittel gegen Muskelkater ist für die Finnen traditioneller Abschluss jeden Tages: der Saunabesuch. Geschwitzt wird streng getrennt, schweigend. Erst draußen im Schnee treffen sich die Geschlechter wieder, reiben sich gegenseitig mit den kalten Kristallen ab. Einige peitschen mit Birkenruten auf den Körper ein, bis er rot ist, springen dann in das kleine Loch im See. Knisternd bricht die dünne Eiskruste. Nicht Sekunden, sondern Minuten bleiben sie im Wasser, tauchen unter. Lachen. "Wollen Sie mal Eistauchen probieren? Auch das gehört zu einem Winter in Levi!"


INFORMATIONEN:

Anreise: Linienflüge mit FINNAIR oder SAS via Helsinki nach Kittilä. Von dort 40 Autominuten Transfer. Alternativ: Fähre bis Helsinki, Weiterfahrt im (Autoreise-) Zug bis zum 35 Kilometer entfernten Kolari (11 Std. 18 Min.). Winterausrüstung am Fahrzeug Pflicht.

Die Saison reicht von 15. November bis zum 30. April. Januar ist der kälteste Monat mit durchschnittlich minus 15 Grad Celsius. Wegen der trockenen Luft erschient die Kälte jedoch weniger streng, als es das Thermometer anzeigt.

Weitere Infos bei:
Finnische Zentrale für Tourismus
Lessingstraße 5
60325 Frankfurt/Main

Telefon: 069/50 07 01 57
e-Mail: finland.info@mek.fi