Winter(nachts)traum am Jerisjärvi

Winterurlaub in Finnisch Lappland


Kurz bevor es losgeht, wirft Jöro noch ein bisschen Ballast ab. Ein kurzer Stoß mit dem Kopf, und schon liegt ein halbes Geweih auf dem Boden. Jöro ist ein Rentier und soll uns zum Eislochfischen auf einem der vielen Seen in Finnisch Lappland bringen. Zum Glück kennt er den Weg auswendig, denn gegen seinen Dickkopf sind wir machtlos. Egal was wir rufen, egal wie heftig wir am Zügel ziehen - Jöro geht ab wie die Post. Schon nach wenigen Minuten haben wir die anderen Rentier-Schlitten weit hinter uns gelassen, selbst unsere Guides Markku und Anna auf dem Motorschlitten sind nicht sehr viel schneller als wir.

Anna ist der gute Geist unseres Lappland-Urlaubes. Gemeinsam mit ihrem Mann Lauri umsorgt sie die Gäste der kleinen, exklusiven Ferienanlage Winterdream am Jerisjärvi, 250 Kilometer nördlich des Polarkreises im Westen Finnlands. Der Jerisjärvi ist nicht irgendeiner der zahllosen finnischen Seen. Er ist ganz offiziell dazu gewählt - Finnlands schönster See, ein Paradies für Naturliebhaber und Individualisten, die Urlaub abseits des Mainstream und weit weg vom Massentourismus machen wollen. Egal was man sich von einem Winterurlaub erwartet, hier am Jerisjärvi geht eigentlich jeder Wunsch in Erfüllung. Mit dem Rentierschlitten zum Eislochfischen, Huskyschlittentouren, stundenlange Langlauftouren in der Einsamkeit des Jerisjärvi, Skidoo-Touren über die Seen und durch die Wälder Finnisch Lapplands, Schneeballschlachten zwischen zwei Saunagängen, gemütliche Stunden am Kamin - Winterurlaub in Finnisch Lappland hat nichts mit dem Getümmel und Gedränge in den Alpen oder Mittelgebirgen zu tun. Gegenverkehr ist bei einer Langlauftour ziemlich unwahrscheinlich, und bei einer Fahrt mit dem Huskyschlitten fühlt man sich wie ein Entdecker fremder Welten.


Eisangeln als Alibi

Und wie es sich für echte Entdecker gehört, versuchen wir unser Essen selbst zu fangen. Markku hat alles dabei, den langen Bohrer, mit dem wir uns durch die Eisschicht arbeiten, kleine Angeln, Angelschnur, haken und Würmer. Jetzt liegt es an uns, und wir versagen kläglich. Nichts, keinen einzigen Fisch ziehen wir aus unseren Eislöchern. Was uns allerdings nicht wirklich stört, denn ziemlich schnell ist das Eislochfischen nur ein Vorwand, um in aller Ruhe Sonne, Luft und Landschaft zu genießen. Kein Laut ist zu hören, weit und breit ist keine Menschenseele, keine Fußspur im Schnee zu sehen. Wir liegen, eingepackt in unsere Outdoor-Overalls, auf dem Es, genießen die Sonne im Gesicht, hören der Stille zu, lassen Blicke und Gedanken schweifen. Irgendwie ist der Alltag auf einmal unendlich weit weg, besteht das Leben nur noch aus Sonne, Schnee und frischer, kalter Luft. Und aus Fischen, die nicht beißen wollen.

Markku und Anna scheinen von unserer Pleite nicht überrascht zu sein, denn sie haben vorgesorgt, und so kommen wir doch noch zu einem Essen. Am Lagerfeuer wird ein kräftiger Eintopf gewärmt, dazu gibt es frischen Kaffee und hinterher einen köstlichen Kuchen. Und manch einer von uns ist insgeheim froh, dass die Fische nicht auf unsere Köder hereingefallen sind.


Entdeckertour mit dem Skidoo

Der nächste Tag gehört Lauri und den Motorschlitten. Nach einer kurzen Einweisung - Lauri spricht wie Anna fließend deutsch - geht es los. Zuerst quer über den Jerisjärvi, und dann auf immer kleineren Wegen quer durch den Wald. Nach zehn Minuten haben wir jede Orientierung verloren und kapiert, warum wir nur unter Lauris Führung mit den Motorschlitten fahren sollen. Ohne ihn würden wir ziemlich schnell hoffnungslos im Tiefschnee fest sitzen, vor allem aber würden wir die wirklich schönen Touren und Plätze alleine nie entdecken.

Immer wieder bleiben wir stehen, staunen über die Weite des Landes, beobachten Schneehühner und versuche, Tierspuren zu bestimmen. Irgendwann, wir haben längst jedes Zeitgefühl verloren, hält Lauri am Rande einer kleinen Lichtung an. Fünf Minuten später brennt das Lagerfeuer, das Fleisch brutzelt in der Pfanne und jeder von uns denkt insgeheim darüber nach, warum das Leben nicht immer so herrlich sein kann.


"Nordlicht per SMS"

Ein Gedanke, der uns auch am Abend in unserem Blockhaus bei einem Glas Rotwein vor dem brennenden Specksteinkamin nicht wirklich loslässt. Und der auf einmal vom Piepsen des Handys unterbrochen wird. Anna, die ständig an unser Wohlergehen denkt, schickt uns eine SMS. " Heute nacht rausschauen, es wird wohl Polarlicht geben." Gibt es. Und, ehrlich , so etwas haben wir noch nie gesehen. Der ganze Himmel ist grün, verändert sich permanent, taucht Schnee und Wald um uns herum in ein gespenstisches , unwirkliches, faszinierendes Licht. Für uns, die wir mit dem Rotwein auf der Terrasse stehen und bei minus 20 Grad leise vor uns hin bibbern, ein echter Winternachtstraum und irgendwie der Höhepunkt des Urlaubs - allen Touren mit Motor- und Huskyschlitten zum Trotz. Für Anna und Lauri ein Stück Normalität. Als wir sie anderntags fragen, ob sie sich das Polarlicht angeschaut hat, lächelt Anna nur. "Ah nein", sagt sie, "wir haben geschlafen." Ach ja, in Lappland müsste man leben. Dann würde man vielleicht irgendwann auch mal was fangen, beim Eislochfischen.


Der Autor:
Heiner Stix ist freier Journalist. Er lebt und arbeitet in Nürnberg.


Info

Finnische Zentrale für Tourismus
Lessingstraße5
60325 Frankfurt

Tel. 069- 50 07 01 57, Fax 7 24 17 25
www.finland-tourism.com/de oder
www.laplandfinland.com

Ausführliche Informationen bieten auch die Internetseiten www.lappland.de und www.finland.de.

Die Ferienhäuser von Winterdream liegen am Jerisjärvi, rund 30 Kilometer von Muonio entfernt im Westen Finnlands. Die Häuser haben mit 100, 120 und 200 Quadratmetern Wohnfläche Platz für 4 bis 10 Personen. Sie verfügen alle über Sauna, Specksteinkamin, exklusive Einbauküche, Hifi-, DVD- und Satelliten-TV-Anlage. Winterausrichtung wie Outdoor-Overalls und -Stiefel, Lauflaufskier und -schuhe, Handschuhe und Mütze sind zahlreich und in unterschiedichen Größen vorhanden.